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Startschuss für die WM der Gebäudehüllen-Spezialisten

Schon seit Montag sind die vier Teams der Schweizer Gebäudehüllen-Spezialisten im lettischen Riga und bereiten sich auf die Berufsweltmeisterschaft im Dachdecken, Abdichten, Fassadenbau und in Metalldeckung vor. Auf die acht Nachwuchstalente werden grosse Hoffnungen gesetzt: 2016 holten die Schweizer Teams Gold bei den Abdichtern und Bronze bei den Dachdeckern. Doch die Chancen stehen gut: Die Schweiz schickt ihre Top-Shots ins Rennen.

Heute ist es soweit: Es beginnen die Wettkämpfe der 31 Teams aus 11 Ländern. Bereits seit Montag haben die Schweizer Teams und ihre Coaches das Gelände und die Modelle in Augenschein genommen und sich vor Ort auf den zweitägigen Dauerstress mental vorbereitet. Denn eine der grössten Herausforderungen an Berufsweltmeisterschaften sind die ungewohnten Ausrüstungen und die anderen Arbeitsweisen.

Diese sind zwar den internationalen Gegebenheiten angepasst, passen aber oft nicht so recht zum Arbeitsalltag in der Schweiz. Hier müssen auch diesmal die Schweizer Gebäudehüllen-Spezialisten nicht nur ihr Können, sondern auch ihre Flexibilität unter Beweis stellen. Doch wettkampferfahren sind sie alle! Wir stellen die drei Deutschschweizer Teams vor. 

Patrik Angst und Kerim Hut: Goldmedaille als Massstab

Patrik Angst und Kerim Hut verteidigen die Schweizer Goldmedaille im Abdichten von 2016. Der 24-jährige Patrik Angst arbeitet bei der Firma merz + egger in Winkeln als Dachdecker und Abdichter. Er hat 2016 die Schweizermeisterschaft gewonnen und sich so für die Weltmeisterschaft 2018 qualifiziert. Zum Beruf brachte ihn seine Sehnsucht nach viel frischer Luft, seine Begeisterung für handwerkliche Arbeit und sein Wunsch nach viel Abwechslung im Beruf. «Draussen handwerklich zu arbeiten hat mir von Anfang an besser gefallen als den ganzen Tag in der Schule zu sitzen,» lacht er verschmitzt. Gerade hat er mit seinen Kollegen ein Dach und eine Fassade mit Naturschiefer erstellt – das war auch für ihn etwas Neues. Auf dem Dach und an den Fassaden braucht er festen Halt.

Diesen sichert er sich durch seine Fachkompetenz. Doch im Leben braucht er die Bewegung, damit er festen Boden unter den Füssen hat. Deshalb macht er nun eine Weiterbildung Objektleiter. Um seinen Beruf macht er sich keine Sorgen: «Solange es Häuser gibt und die Menschen ein trockenes Dach über dem Kopf wollen, sind wir Dachdecker und Abdichter gefragt und haben gute Zukunftsaussichten.» Sein Teamkollege Kerim ist «ein cooler Typ», lobt Patrik. Also unter die ersten drei Plätze sollten sie es gemeinsam eigentlich schaffen.

Da ist Kerim Hut aus Bürglen TG anderer Meinung. Für ihn ist klar: Die Goldmedaille muss es sein! Er ist einer der gefragten Schweizer Gebäudehüllen-Spezialisten und Vize-Schweizermeister im Abdichten. «In meinem Betrieb mache ich meist Flachdächer, schweisse zum Beispiel Bitumen», meint der 21-jährige, der bei der A. Kuster AG tätig ist, die ebenfalls in Bürglen ansässig ist. «Für mich war schon immer klar, dass ich draussen arbeiten möchte», erklärt er seine Motivation für den Beruf. «Mir gefällt der lockere Umgang auf der Baustelle, alle sind per du. Als ich als Dachdecker in meinem Lehrbetrieb geschnuppert habe, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Beruf erlernen möchte. Man hat in meinem Beruf viel Abwechslung und arbeitet mit verschiedenen Materialien.» Und während andere Leute tagein, tagaus auf den Computerbildschirm oder die benachbarte Häuserwand starren, arbeiten Gebäudehüllen-Spezialisten fast ausschliesslich draussen in der Höhe, auf dem Dach. «Die Aussicht ist etwas vom Schönsten bei der Arbeit. Und im Sommer wird man braun», zwinkert er vergnügt. Für die WM hat er viel geübt – jede zweite Woche drei Tage lang. Nun wird sich zeigen, ob er seine ehrgeizigen Ziele erreichen kann. 

Dachdecker haben hochfliegende Pläne

Patrick Güttinger ist erst 23 und hat schon drei Berufe erlernt. «Ich arbeite bei der Streule + Alder AG in Rohrschach und habe die Lehre im Dachdecken, Abdichten und Fassadenbau abgeschlossen.» Die drei Ausbildungen hat er absolviert, damit er für alle Fälle gut gerüstet ist. Der Sohn eines Dachdeckers behält gerne die Übersicht. Weitsicht braucht es auch für den Beruf des Fluglotsen, den er ursprünglich in Erwägung gezogen hat. Seitdem ist viel passiert. Er ist nicht nur Schweizer Meister bei den Dachdeckern, sondern seit September 2018 auch Schweizer Meister der Fassadenbauer. 2020 wird er deshalb in dieser Disziplin an der Weltmeisterschaft in Peking teilnehmen. Doch nun ist er erst einmal an der WM in Riga. In seinen Berufen sagt ihm die Arbeit mit den unterschiedlichen Materialien wie Stein, Holz, Metallen und den verschiedenen Isolationen sehr zu. Begeisterung treibt das handwerkliche Multitalent auch in seiner täglichen Arbeit an. Gerade ist er an seinem sehr spannenden Projekt dran: Das ehemalige Haus eines Architekten wird saniert. «Da ist nirgends ein rechter Winkel! Überall stehen Dachflächen heraus – ein richtig verwinkeltes Dach und zudem noch verdreht. Ausserdem hat es sich über die Jahre abgesenkt.» Jetzt sollen Patrick Güttinger und seine Kollegen das Dach begradigen und mit Solarzellen ausrüsten. 

Parallel zu seinen Lehrabschlüssen hat Patrick Güttinger schon die Ausbildung zum Objektleiter abgeschlossen. Für die Zukunft liebäugelt er mit der Weiterbildung zum Bauführer Gebäudehülle. So nebenbei wurde er auch zum 360-Grad-Star. In den 360-Grad-Videos der Gebäudehüllen-Berufe hat er drei Lehrberufe persönlich auf der Baustelle vorgestellt. Schon Tausende Jugendliche haben die Videos runtergeladen oder an den Berufsmessen angeschaut. Auch für die WM ist er mit viel Elan an die Vorbereitung gegangen. «Wir haben sieben Mal drei Tage lang geübt. Dann hab ich zu Hause noch Dinge geübt, die uns als Dachdecker hier nicht so geläufig sind wie zum Beispiel ein Loch in die Dachrinne zu bohren – das fällt bei uns eher unter Spenglerarbeiten. Dann hab ich mir die Pläne genau angeschaut, die Bewertungsraster durchgelesen und mich mit dem genauen Ablauf vertraut gemacht.» 

Sein Teamkollege Rafael Hilfiker Seengen im Kanton Aargau wird in diesem Monat 24 Jahre alt. Der gelernte Dachdecker ist Schweizer Vizemeister und hat nicht nur die Zweitlehre als Abdichter, sondern ebenfalls bereits die Weiterbildung zum Objektleiter abgeschlossen. Durch seinen Vater hat er seinen «Traumjob» kennengelernt. Von klein auf durfte er im familieneigenen Betrieb miterleben, wie interessant die Arbeit in luftiger Höhe sein kann. Die Freude an der abwechslungsreichen Tätigkeit im Freien hoch oben findet er auch nach einigen Jahren Berufserfahrung immer noch «cool». «Da kannst du ein wenig auf die anderen herunterschauen», lacht er. «Du musst Freude daran haben. Bei Wind und Wetter immer draussen zu sein, kannst du nicht, wenn dich im Winter der Schnee stört.» Für die Zukunft kann er sich den Einstieg als Unternehmer und eine Kombination aus Bürotätigkeit, Arbeit auf der Baustelle und Unterrichten vorstellen.» Rafael Hilfiker ist überzeugt: «Wir werden nie ersetzt durch Maschinen. Es wird nie Roboter geben, die für uns arbeiten.» Den Beruf findet er richtig für junge Menschen, die begeistert draussen und gerne mit den Händen arbeiten, sich ein wenig mit Maschinen auskennen sowie gut rechnen und zeichnen können. «Ein wenig Vorstellungsvermögen sollte man ausserdem schon haben», meint er.

WM-Premiere für den Fassadenbau

Der 23-jährige Manuel Wespi kommt aus Malters bei Luzern, wo er bei der Firma Bühlmann als Dachdecker und Fassadenbauer tätig ist. Auch er hat zwei Lehren absolviert. Für die WM hat er sich qualifiziert, indem er bei den SwissSkills die Silbermedaille erobert hat. An seinen Berufen schätzt er besonders: «Wenn man am Abend von der Baustelle nach Hause gehen kann und sieht, was man alles gemacht hat – das ist das Schönste!» Als er sich für den Beruf des Dachdeckers entschieden hat, wusste er, auf was er sich einliess, denn «ich bin viel schnuppern gegangen, so manche Woche, in den Ferien oder während der Schulzeit. Ich wusste, dass es im Winter kalt ist und im Sommer heiss. Das hat mir gepasst.» Was ihn und seinen Teamkollegen an der WM in Riga erwartet, weiss er dagegen noch nicht so genau, denn «Fassadenbau ist das erste Mal an der WM und man hat noch keine Erfahrungswerte wie beim Dachdecken. Man weiss noch gar nichts. Aber wir sind zuversichtlich!»  

Auch Kevin Räbsamen aus Mosnang ist gelernter Dachdecker und hat eine Zweitausbildung im Fassadenbau. Er arbeitet beim Kirchberger Unternehmen Remo Schönenberger und ist Schweizer Meister im Fassadenbau. «Ich bin schon immer gerne draussen gewesen. Manchmal ist es kalt im Winter. Aber das ist einfach toll, wenn es wieder einmal ein wenig Schnee gibt auf dem Dach oben.» Kevin Räbsamen ist immer gerne in der Höhe gewesen und hat wissen wollen, wie man da riesige Hallen hoch oben deckt. Einige Jahre hat er von einem inzwischen pensionierten Kollegen sehr viel lernen können. Nun gibt es das Wissen an die Lernenden weiter: «... wie ich das von meinem älteren Kollegen übernommen habe!» Ihm gefällt, dass es jeden Tag neue Herausforderungen gibt. «Man hat immer wieder mit anderen Details zu tun, du musst dir etwas einfallen lassen.» Seine Zukunft sieht er weiterhin auf dem Bau. Eine Laufbahn als Gruppenleiter oder Objektleiter könnte er sich jedoch durchaus vorstellen. Für die WM hat er viel geübt, denn es werden Fertigkeiten erwartet, die in der Schweiz im Alltag nicht üblich sind. Mit dem Team ist er sehr zufrieden. «Wir reden miteinander und sagen einander auch, was besser sein könnte. Man kann miteinander diskutieren. Da heisst es nicht, der eine oder der andere hat Recht. Man diskutiert es aus. Es funktioniert einfach!» 

 

Die 27. Weltmeisterschaft Junger Dachdecker findet vom 13. bis 16. November 2018 in Riga in Lettland statt. 31 Teams aus 11 Ländern messen sich in den vier Kategorien Dachdecken, Flachdach-Abdichtungen, Fassadenbau und Metalldeckung. Die feierliche Siegerehrung findet beim Festabend Freitag 16. November statt. Organisiert wird die Weltmeisterschaft durch ein Mitglied der IFD (Internationale Föderation des Dachdeckerhandwerks). Im Jahre 2012 fand der Wettkampf in Luzern statt – organisiert durch Gebäudehülle Schweiz.