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«Weg vom Prestigedenken»

Für Christine Davatz-Höchner ist klar, dass man aufgrund des dualen Bildungssystems in der Schweiz auch ohne Hochschulstudium Karriere machen kann.

Christine Davatz, wie steht es um die Berufslehre in der Schweiz?

Sehr gut. Zwei Drittel der jungen Leute, welche die obligatorische Schulzeit abschliessen, nehmen eine Lehre in Angriff. Und das Niveau, auf dem sie ausgebildet werden, ist im internationalen Vergleich unglaublich hoch.

Wenns doch sowieso schon läuft, weshalb dann zusätzlich eine Aktion wie die Initiative SwissSkills?

Selbst was gut ist, kann noch besser werden! Aber im Ernst: Die KMU in unserem Land sind auf qualifizierte Berufs- und zukünftige Kaderleute angewiesen. Die werden nicht einfach so geboren, sondern gemacht. In einem dualen Bildungssystem, wie wir es hier haben, das auf den beiden Stützen Betrieb und Schule, also Praxis und Theorie, aufbaut. Wir wollen Jugendlichen und Eltern aufzeigen, welche Karrierechancen und –möglichkeiten eine Berufslehre beinhaltet.

Weniger Studenten, mehr Stiften braucht das Land!

Nein, es geht überhaupt nicht darum, Studium und Berufsausbildung gegeneinander auszuspielen. Wer studieren will, soll studieren. Leider herrscht heute in manch einer Familie aber die Meinung vor, dass nur Karriere machen kann, wer einen akademischen Abschluss hat. Oder es regiert das Prestigedenken. Das führt dann zu Entscheidungen, die weder Rücksicht auf die Wünsche der Jugendlichen nehmen noch auf deren Eignung und Neigung. Hier wollen wir einhaken und aufzeigen, dass eine Lehre genauso das Fundament für eine tolle berufliche Laufbahn legen kann.

Sie selber sind Juristin …

(lacht) Diese Bemerkung habe ich erwartet – ja, ich habe studiert. Juristin gibts nun mal nicht mit Lehrabschluss. Beim Schweizerischen Gewerbeverband beschäftige ich mich allerdings fast täglich intensiv mit Fragen rund um die Berufsbildung. Und das seit über dreissig Jahren. Für mich ist klar: Wer keinen Beruf ausüben möchte, zu dem es zwingend ein Universitätsstudium braucht, der sollte eine Lehre absolvieren. So, wie auch meine Tochter und mein Sohn. Am besten eine mit Berufsmatura.

Sie begleiten die 37 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Schweiz auf ihrem Weg zu den Berufsweltmeisterschaften nach Abu Dhabi. Was zeichnet diese jungen Leute aus?

Zuerst einmal sind sie natürlich alle Top-Berufsleute. Sie haben also Freude an dem, was sie tun. Und sie wollen dazulernen, noch besser werden. Zudem haben die meisten erkannt, dass so eine WorldSkills eine einmalige Chance ist. Zum einen, weil man tatsächlich als einer von ganz wenigen mitmachen darf – und das genau ein einziges Mal im Leben. Zum anderen ist es natürlich auch eine super Referenz. Allein der Vermerk, an den WorldSkills dabei gewesen zu sein, öffnet Türen und Tore – nicht nur in der Schweiz.

Ihre persönlichen Erwartungen?

Als Team kehrt die Schweiz eigentlich stets mit einer Medaille von solch grossen Titelkämpfen zurück. Das ist die Messlatte: Top 3. Um dieses Ziel zu erreichen, muss aber vieles zusammenpassen.
Unsere jungen Berufsleute haben während der Ausbildung bereits gelernt, hohe Anforderungen zu erfüllen und in Stresssituationen die Freude und Konzentration nicht zu verlieren. Ohne berheblich sein zu wollen, aber das ist ganz sicher ein Vorteil.

Interview: Blick