Vom WM-Sieger zum Experten

28.02.12

Andreas Marbacher wurde  an den WorldSkills Calgary 2009 Weltmeister bei den Dekorationsmalern, jetzt ist er als Experte an den EuroSkills Spa-Francorchamps mit dabei.

Andreas Marbacher, welche Erinnerung haben Sie an die Weltmeisterschaften 2009, als Sie in Calgary für die Schweiz die Goldmedaille als Dekorationsmaler holten?

Es sind durchs Band tolle Erinnerungen. Der Gewinn der Goldmedaille ist das eine, die Erlebnisse in der Vorbereitung und im Team das andere. Für mich war es eine wertvolle Erfahrung, mit Gleichgesinnten zusammen in einem Team diese grosse Aufgabe in Angriff zu nehmen. Aus einer Horde von knapp 40 jungen Berufsleuten unterschiedlichster Berufsgattungen wurde während der Vorbereitungen ein Team mit starkem Zusammenhalt und einem unglaublich positiven Spirit. Mir hat dieser Rückhalt sehr viel Sicherheit und Ruhe gegeben auf dem steinigen Weg zur Medaille. Nach wochenlangen Vorbereitungen, wunderschönen Eindrücken von Kanada und einem harten und nervenaufreibenden Wettbewerb, war der Gewinn der Goldmedaille nur noch das i-Tüpfelchen.

Was hat Ihnen die Vorbereitung auf die Schweizer- und dann die Weltmeisterschaften für Ihren weiteren beruflichen Werdegang gebracht?

Natürlich hat mich das Training handwerklich vorangebracht. Durch die Arbeit mit verschiedensten Trainern konnte ich unterschiedliche Techniken einsehen und für mich das Beste herausnehmen. Aber auch in Sachen Selbstdisziplin und Durchhaltewille habe ich während des Trainings viel dazugelernt. Es hat viele Stunden meiner Freizeit gekostet. In der Regel übt man alleine, da meldet sich auch mal der innere Schweinehund. Zudem habe ich erkannt, dass man mit harter Arbeit seine Ziele erreicht, egal welche Hürden man zu nehmen hat. Im Moment bin ich in der Ausbildung zum eidg. dipl. Malermeister. Und ich profitiere nach wie vor von den gemachten Erfahrungen.

Nun sind Sie Trainer von Julia Lischer für die EuroSkills Spa-Francorchamps in diesem Oktober. Welche Vorteile hat die Kandidatin dadurch, dass Sie den gleichen Weg erfolgreich gegangen sind?

Das ist vieleicht eine Hilfe, aber noch lange keine Erfolgsgarantie. Ich werde versuchen, ihr meine Erfahrungen weiterzugeben und sie bestmöglich vorzubereiten.
Im Endeffekt muss aber jeder diesen Weg selber gehen, selbstständig trainieren und für sich herausfinden, welches die beste Strategie im Wettbewerb ist.

Welche konkreten Tipps geben Sie Julia Lischer – insbesondere zur Wettkampfvorbereitung im mentalen Bereich?

Man muss bereit sein, auf Rückschläge zu reagieren. Wenn während dem Wettbewerb trotz aller Vorbereitung etwas schief geht, darf man den Mut nicht verlieren und muss weiterarbeiten: Mit einer "Jetzt erst recht"- Einstellung. Am Wichtigsten aber finde ich, sich selber keinen zu hohen Druck aufzuladen. Das klingt einfacher, als es ist. Wer am Ende des Wettbewerbs sagen kann: "Ich habe mich seriös vorbereitet und am Wettbewerb mein Bestes gegeben.", hat gewonnen. Unabhängig vom Resultat.

Wie gut sind die Schweizer Berufsleute im internationalen Vergleich aufgestellt? Täuscht der Eindruck, dass vor allem die aussereuropäische Konkurrenz stärker wird?

Wie man aus den Resultaten erkennen kann, steht die Schweiz nach wie vor sehr gut da im internationalen Vergleich. Sie ist immer in den vorderen Rängen der Nationenwertung anzutreffen und in der Regel beste europäische Nation. Dieser Erfolg ist grösstenteils auf unser duales Berufsbildungssystem zurückzuführen. Aber es ist schon richtig, dass die Konkurrenz stärker wird. Was zum Beispiel die Topplatzierung Brasiliens an den WorldSkills in London 2011 eindrücklich bewies. Auch die asiatische Konkurrenz wird immer noch stärker. Ich kann aber nicht beurteilen ob dies Fortschritte in der Ausbildung sind oder ob diese Erfolge "nur" auf sehr intensives Wettkampftraining zurückzuführen sind.

Was heisst das für die Sparte Dekorationsmalerei?

Bei uns war und ist die Konkurrenz immer sehr stark. Man muss alle konkurrierenden Nationen auf der Rechnung haben, denn am Schluss zählt die Leistung der einzelnen Kandidaten. Aber es sind schon eher die europäischen Nationen, die uns in der Malerei das Leben schwer machen. Und in Sachen Fairness sehe ich bei den Dekorationsmalern keine Probleme. Es sind alles sehr seriöse Experten, die auf einen fairen Wettbewerb hinarbeiten.

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