Das Tessin an den EuroSkills 2012 in Spa-Francorchamps

25.06.12

Bei den kommenden europäischen Berufsmeisterschaften EuroSkills wird auch der Kanton Tessin vertreten sein, und zwar nicht nur mit zwei Kandidaten für den Beruf des Elektronikers, sondern auch mit einem Arbeitsprojekt, in dem sich Vertreter aus 8 Nationen messen werden. Davide Pigazzini, der Schweizer Experte für den Beruf des Elektronikers, hat dieses Projekt mit Unterstützung seines Arbeitsgebers, der Schindler Elektronik in Locarno, entwickelt.

Davide Pigazzini, Schweizer Experte für den Beruf des Elektronikers – was hat Sie zur Annahme dieses Auftrags bewogen?

Ich bin fest von der Wichtigkeit der Ausbildung neuer Lehrlinge und all dessen, was damit verbunden ist, überzeugt. Auch ich habe zunächst eine Ausbildung gemacht, die mir ausgezeichnete berufliche Grundlagen vermittelt hat, und anschliessend meine Ausbildung zum Elektronikingenieur an der Universitätsschule SUPSI fortgesetzt. Der Auslöser für meine Entscheidung, als Experte an den europäischen Meisterschaften teilzunehmen, war das Angebot meines Arbeitgeberbetriebs Schindler, das ich sofort als interessante Herausforderung begriffen habe.

Durch diese Rolle wurde mir die Möglichkeit geboten, eine komplexe Arbeit zu beurteilen, mich mit anderen europäischen Kollegen meines Faches auseinanderzusetzen und mir ein Bild vom Ausbildungsstand der Elektroniker in Europa zu verschaffen. Der interdisziplinäre Austausch mit anderen Schweizer Experten in anderen Berufen ist ein zusätzlicher Nutzen, den diese Rolle bietet und der mit Sicherheit zu einer persönlichen und beruflichen Bereicherung führt, wobei natürlich die zahlreichen damit verbundenen Erfolgserlebnisse nicht vergessen werden dürfen. 

Auf dieser Veranstaltung füllen Sie zwei Rollen aus: Trainer der Schweizer Kandidaten und Entwickler des Arbeitsprojekts

Die Idee zu diesem Projekt entstand bei den EuroSkills 2010 in Lissabon, bei denen ich mich in der Kategorie Programmierung und Montage angeboten habe. Nach meiner Rückkehr aus Lissabon, wo die beiden Tessiner Kandidaten die Bronzemedaille gewonnen haben, habe ich das Projekt vorgeschlagen, das zusammen mit einem Elektronik-Lehrling im Zusammenhang mit seiner Abschlussarbeit entwickelt wurde. Zunächst wurde ein Prototyp gebaut und nach einem Treffen mit dem finnischen Experten dann die endgültige Version für die EuroSkills in Spa entwickelt.
In der Zwischenzeit wurden 15 Exemplare für die 8 Teilnehmerländer angefertigt.

Welche Unterstützung erhielten Sie von Ihrem Arbeitgeber Schindler Elektronik?

Die Geschäftsleitung und die Kollegen meiner Abteilung haben mich bei diesem Projekt und bei der Teilnahme an den EuroSkills umfassend unterstützt. Die beiden Kandidaten, die die Schweiz in Spa vertreten, haben ihre Elektroniker-Lehre bei Schindler abgeleistet und werden dort vorbereitet und – zusätzlich zu den Beiträgen des Kantons Tessin – finanziell unterstützt.

Schindler unterstützt und setzt auf die Berufsausbildung, wobei die Teilnahme an einer Berufsmeisterschaft eine einmalige Gelegenheit ist, um die Qualität seiner betrieblichen Ausbildung hervorzuheben. Der Betrieb verfügt über eine interne Ausbildungskommission, die diese und auch andere Initiativen unterstützt und fördert.
Für das Projekt in Spa 2012 hat Schindler das gesamte Material und das Personal finanziert, so dass dieses Projekt die Teilnehmerländer deutlich weniger gekostet hat als das in Lissabon 2010.

Womit müssen die Elektronik-Kandidaten arbeiten?

Bei diesem Projekt handelt es sich um eine massstabsgerechte Aufzugsanlage, also um das führende Produkt der Fa. Schindler. Die grössten Herausforderungen werden für die Teilnehmer darin bestehen, die Funktionsweise eines Aufzugs zu verstehen, wobei weitere Schwierigkeiten eingebaut werden, um den Anforderungsgrad zu erhöhen. Die Kandidaten müssen in der Lage sein, einen Algorithmus zu ermitteln, um alle Aufzug-Rufe effizient abzuarbeiten, sowie die Aufzugsführung zu optimieren und Massnahmen anzuwenden, um den Fahrkomfort im Aufzug zu verbessern.

Informationen zu den beiden Kandidaten des Tessins, die die Schweiz für den Beruf des Elektronikers vertreten

Damiano Domenghetti und Mirco Pifferini wurden aufgrund ihrer ausgezeichneten schulischen Leistungen bei den Lehrlingsabschlussprüfungen (beste Durchschnittsnoten des Tessins) ausgewählt; darüber hinaus haben sie über ein Jahr zusammengearbeitet und dabei ein sehr solides, optimales Team gebildet. Die beiden Kandidaten ergänzen sich, was ein wichtiges Kriterium für ein gutes Gelingen ist.
Damiano und Mirco sind hoch motiviert und fest entschlossen zu zeigen, was sie können, was sicherlich ein ausgezeichneter Ausgangspunkt ist.

Die Vorbereitung ist von grundlegender Bedeutung für eine Berufsmeisterschaft. Wie wird diese bei den beiden Tessiner Kandidaten organisiert?

Die Vorbereitung erfolgt in zwei Phasen, wobei berücksichtigt werden muss, dass die Kandidaten zurzeit ihren Militärdienst absolvieren. Die erste Phase bezüglich des elektronischen Teils wurde bereits im Januar und Februar durchgeführt, während die zweite Phase 4 Wochen im August umfasst und sich auf die Infrastrukturen und die Stressfaktoren konzentriert.

Im Hinblick auf den letztgenannten Aspekt sind wir dabei, einen Arbeitstag ausserhalb des Betriebs (in einem  Einkaufszentrum) vor Publikum zu organisieren. Die mentale Vorbereitung wird von SwissSkills organisiert.

Welche Erwartungen sind an Spa geknüpft?

Nach der Teilnahme an der Veranstaltung in Lissabon 2010, bei der wir die Bronzemedaille gewonnen haben, hoffen wir, diesen Erfolg wiederholen zu können, wenngleich die Schwierigkeiten dieses Jahr höher sind, da die Zahl der Teilnehmerländer grösser geworden ist und die anderen Mitbewerber darüber hinaus wissen, über welche Kenntnisse die Schweizer verfügen.

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