Auch der Geist will trainiert sein

29.05.12

Seit Anfang 2012 ist Silvia Blaser Teamleaderin bei SwissSkills. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für die EuroSkills Spa-Francorchamps. Dem Mentaltraining kommt dabei grosse Bedeutung zu.

„Bei SwissSkills spürt man das Feuer für die Sache. Es ist eine sehr engagierte Stiftung, in der enorm viel Milizarbeit geleistet wird“, sagt Silvia Blaser. Die Mentaltrainerin verhehlt nicht, dass sie die Organisation nicht gekannt hatte, bevor sie die Stellenausschreibung las. „Aber ich fühlte mich sofort wohl. Dies sicher auch, weil mir die Vision von SwissSkills entspricht. Ich bin vom Wert der handwerklichen Berufe und des dualen Systems überzeugt.“

Erster Eindruck in London

Mit dem Jahreswechsel hat die Solothurnerin die Funktion der Teamleaderin offiziell übernommen. Silvia Blaser war aber bereits bei den WorldSkills London 2011 mit dabei. „Ich wurde als Betreuerin voll einbezogen. Es war für mich beeindruckend zu sehen, wie die 38 Kandidaten innert kurzer Zeit zu einem Team zusammen wuchsen. Sie hielten dem Druck während des viertägigen Wettkampfs gut stand und konnten konzentriert arbeiten.“ An den EuroSkills Spa-Francorchamps 2012 Anfang Oktober wird sie alleinige Teamleaderin der 12 Teilnehmenden sein.

Wie ist Silvia Blaser, die über Eidgenössische Fähigkeitszeugnisse als Maschinenzeichnerin und Kauffrau verfügt und Erwachsenenbildnerin ist, aufs Mentaltraining gekommen? Die 48-Jährige lacht: „Ursprünglich wollte ich mich selbst weiter bringen – und ich habe bald gemerkt, dass es funktioniert. Als begeisterte Sportlerin - Handball, Biken, Skifahren -  und zweifache Mutter von Spitzensport betreibenden Söhnen hat mich das Thema zu interessieren begonnen. Es folgten zwei Ausbildungen in Coaching und Mentaltraining. Heute nutze ich meine eigenen Erfahrungen aus Sport und Berufswelt kombiniert mit Mentalem Training, um Jugendliche und Erwachsene in Beruf, Sport und Alltag zu unterstützen und zu fördern.“ An ihrer früheren Arbeitsstelle im Personalwesen setzte sie Mentales Training auch bei der Lernendenausbildung ein.

Lernen, Gedanken zu steuern

Was ist Mentaltraining eigentlich? Silvia Blaser, inzwischen als diplomierter Mentalcoach selbständig erwerbend, formuliert es so: „Man kann lernen, seine Gedanken zu steuern. Erfreuliche Erfahrungen aus der Vergangenheit können uns bei schwierigen Situationen in der Zukunft helfen. Ich arbeite mit positiven Bildern; das gibt einerseits Kraft und Energie und andererseits wirkt es beruhigend, in manchen Fällen sogar angsthemmend.“

Damit’s im entscheidenden Moment funktioniert, heisst die Devise „üben, üben, und nochmals üben.“ Schliesslich spreche man ja von Training, schmunzelt Blaser. So gelte es eine Wettbewerbssituation im Vorfeld einzuüben. „Vor dem inneren Auge wird ein Film abgespielt, der den Ablauf festhält – bei Berufsmeisterschaften etwa, wann welches Werkzeug zum Einsatz kommt.“ Zur Visualisierung kommt das Selbstgespräch: „Ich bin gut vorbereitet und arbeite ruhig und konzentriert.“ Und der dritte wichtige Punkt ist die richtige Atmung, die ebenfalls trainiert werden will. So ist es schliesslich möglich, die maximale Leistung abzurufen.

Team ist wichtig

An den Berufsmeisterschaften zählen zwar Einzelleistungen. Nichtsdestotrotz spielt der Teamgeist für Silvia Blaser eine entscheidende Rolle: „Gegenseitige Unterstützung ist sehr wichtig. Die Gewissheit, in ein Team eingebunden zu sein, setzt wie im Sport Energien frei.“

Sind Jugendliche, die Leistungen erbringen wollen, in der heutigen Gesellschaft eine Ausnahmeerscheinung? „Ich wehre mich grundsätzlich dagegen, den Fokus aufs Negative zu richten“, so Blaser. „Viele junge Erwachsene wollen gefordert werden und sind bereit, sich einzusetzen und etwas zu leisten. Sie wollen aber auch als so kompetent wahrgenommen werden, dass sie die ihnen übertragenen Aufgaben eigenständig erledigen können. Diejenigen, die an Berufsmeisterschaften mitmachen, sind sicher ehrgeizig und wollen etwas erreichen. Diese ambitiöse Haltung findet sich aber auch in anderen Bereichen. Und das bringt uns vorwärts.“

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