Auf Medaillenjagd an der Themse

05.10.11

Nach der Ruhe vor dem Sturm lässt sich das Schweizer Team auch vom Sturm selbst nicht aus dem Konzept bringen. Die ersten Stunden nach dem Anpfiff der WorldSkills London verliefen für die meisten trotz gewaltigem Publikumsaufmarsch verhältnismässig ruhig und konzentriert. Doch die Anspannung ist mit Händen zu greifen.

Besonders gesprächig ist Franz-Josef Venetz  in der Mittagspause des ersten Wettkampftages in London nicht. Die Anfangsnervosität habe sich schnell gelegt, erzählt der Schweisser aus dem Wallis, jetzt ist  der Kopf frei, um sich auf die wirklichen Aufgaben zu konzentrieren.

Der Zuger Landschaftsgärtner Andreas Stadlin hat wie sein Teamkollege Christof Schweizer aus Rothrist gar nicht die Zeit, um sich ablenken zu lassen.  Die zwei müssen eine Anlage bauen, die dem schottischen Hochland nachempfunden ist – mit Bächlein, Brücke und Schafzaun inklusive. „Die Schafe selbst “, grinst Stadlin, „stehen drumherum.“  

Tatsächlich sind die gigantischen Messehallen des Londoner „ExCel“-Centers am ersten Wettkampftag dichtbepackt. Zehntausende Besucher strömen durch die Gänge. Unter den Treppen und in den ruhigeren Winkeln haben sich Dutzende Schulklassen niedergelassen und pflegen die typisch britische Tradition des Picknicks – nach dem Motto: ein Gurkensandwich geht immer, egal wo.

Das Video zur Eröffnungsfeier und weitere Filmbeiträge sind auf YouTube aufgeschaltet. Schauen Sie doch einfach mal rein unter http://www.youtube.com/swissskills

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Impressionen

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Team-Tagebuch

Tag 0 - 06.00: Die Schweizer Delegation wartet versammelt vor dem Toaster. Aufgrund der  vielen Teilnehmenden ist die Zeit für das Frühstück in Schichtbetrieb akribisch genau eingeteilt. Heute trifft es die Schweiz für die Frühschicht. Dafür sind auch wirklich alle wach, als wir uns kurz vor 08.00 in der riesigen ExCel-Halle besammeln. Selten hat uns der Kampfschrei so gut getan. Die aufkommende Nervosität brüllten wir aus uns heraus und tankten so zusätzliches Selbstvertrauen. Dann wünschten wir uns gegenseitig einen guten Wettkampfstart und als die Türen endlich geöffnet wurden, ging jeder seinen Weg zu seinem Arbeitsplatz.

Bei uns Mechatronikern war nach dem vorgestrigen Einrichten alles bereit für die erste Aufgabe. Wir kannten die Anlage bereits im Detail und starteten gelassen in den Wettkampf. Unsere gute Vorbereitung und das passende Werkzeug zahlten sich aus, dennoch wurde gegen Mittag die Zeit plötzlich knapp, als die automatische Farberkennung der Werkstücke einfach nicht zuverlässig funktionieren wollte und daher gelegentlich ein Teil falsch verarbeitet wurde. So mussten wir Prioritäten setzen, um die restlichen Komponenten in der Zeit fertigzustellen.

Anschliessend gingen wir in die Mittagspause, im Ungewissen, ob die Maschine bei der Bewertung zuverlässig funktionieren wird. Doch die Pause war ohnehin zu kurz, um sich gross Sorgen zu machen. Im entscheidenden Moment bei der Bewertung wurde die Farbe dann tatsächlich falsch erkannt. Glücklicherweise konnten wir den verantwortlichen Sensor gleich während der nächsten Aufgabe nebenbei nachjustieren und damit die volle Punktzahl abräumen.

Morgen können wir mit einer super funktionsfähigen Anlage in den Wettkampf starten und haben somit top Bedingungen um es den anderen Ländern richtig schwierig zu machen, denn morgen kommen die unbekannten Aufgaben und da wird sich zeigen, welche Nationen auch in schwierigen Situationen den Überblick nicht verlieren.

Direkt nach der getanen Arbeit trafen wir einen Teil unserer Delegation zum Abendessen. Diese kurze, gemeinsame Zeit am Essenstisch ist Gold wert: Man unterhält sich über Hoch und Tiefs, wird aufgemuntert, spricht einem Kollegen gut zu oder klopft dem Anderen auf die Schulter. Kleine Gesten, die aber in einem solchen Schweizerteam wie kleine Wunder wirken.

Reto Meier und Adrian Kamer, Team Mechatronik (Automatiker)